Das schreibt die Presse über die Steinbreche

Auch Nachbarn überzeugt

VON STEPHANIE PEINE
aus Kölner Stadt-Anzeiger, 5.2.2008

Bergisch Gladbach - Am Anfang war das Loch. Das Finanzloch der Stadt. Und in diesem Loch drohte das Bürgerzentrum Steinbreche zu versinken. Weil die Stadt vor drei Jahren die Kosten für die Refrather Einrichtung in historischem Ambiente nicht mehr stemmen konnte, traten engagierte Bürger auf den Plan: „Wir haben Leute angesprochen, von denen wir wussten, dass sie in Refrath bereits sehr aktiv sind“.

WER MACHT'S?

Ehrenamtler im Einsatz

Thorsten Wittemann von den Anfängen. Es fanden sich neun Leute, die den Verein „Steinbreche“ gründeten und Anfang 2005 das Haus, das weiterhin Eigentum der Stadt ist, in ihre Regie übernahmen.

„Man muss schon sehr naiv sein, um so eine Aufgabe anzugehen“, lächelt Wittemann, inzwischen Vorsitzender des Vereins. Denn das Team aus ehrenamtlichen Kräften stand vor einem Berg von Aufgaben. Da war zunächst das finanzielle Problem: Die Steinbreche war ein Zuschussgeschäft. Um den Veranstaltungsort attraktiver zu machen, zogen erst einmal die Handwerker ein. „Die Stadt hatte zuletzt nur noch Löcher geflickt“, kritisiert der Vorsitzende. Nun wurde die Fassade neu verputzt und gestrichen, das Parkett geschliffen, Brandschutzeinrichtungen eingebaut und neue Schilder angebracht. Die größte Veränderung betraf die Organisation des Veranstaltungsraumes. Um die Vermarktung zu verbessern, wurde eine Homepage eingerichtet und ein Veranstaltungsmanager eingesetzt, der alle Buchungen koordiniert, rund um die Uhr zu erreichen ist und flexible Besichtigungstermine anbietet.

Eine weitere Schwierigkeit waren die zahlreichen Beschwerden von Anwohnern über den Lärm, der in der Vergangenheit von einzelnen Veranstaltungen ausgegangen war. „Bei der Stadt füllten die Beschwerdebriefe ganze Aktenordner“, so Wittemann. Im direkten Gespräch mit den Nachbarn habe man viele Streitigkeiten beilegen können. Zudem sorgte man dafür, dass bei jeder Veranstaltung ein Vertreter des Vereins im Haus ist. „Der kann dann bei kleineren Notfällen helfen, weiß, wo der Sicherungskasten ist, und hat auch einen Lärmpegelmesser dabei.“ Zwar könne man nicht verhindern, dass es bei nächtlichen Verabschiedungen der Besucher schon einmal laut werde, doch die Beschwerden hätten stark nachgelassen.

Der ganze Einsatz der ehrenamtlichen Helfer dient dem Ziel, den Saal als Veranstaltungsort und Refrath als lebendigen Ortsteil zu erhalten. Daher werden die örtlichen Vereine bei der Buchung bevorzugt. Der Erfolg gibt den Machern recht. Die Steinbreche sei gut ausgelastet und schreibe schwarze Zahlen, freut sich Wittemann. Und auch die Stadt, die den Trägerverein mit 3000 Euro im Quartal unterstützt, vergibt gute Noten, die nicht nur darauf zurückzuführen sind, dass sie durch das bürgerschaftliche Engagement einen Klotz weniger am Bein hat. Kulturbüro und Kunden seien sehr zufrieden, so Pressesprecher Martin Rölen. Daher habe die Stadt auch den zunächst auf zwei Jahre befristeten Nutzungsvertrag in einen unbefristeten umgewandelt.

In der Zukunft will der Verein „noch ein paar spannende Veranstaltungen“ wie Kabarett und Kleinkunst hinzugewinnen. Ob das gelingt, hängt nicht zuletzt vom Einsatz der Bürger ab. Für die Rettung der Steinbreche haben wir schnell Leute gefunden. Für den Dauereinsatz ist das schon schwieriger“, sagt Wittemann. Die Kerntruppe habe sich inzwischen von neun auf sieben Leute reduziert. „Es wäre eine Gefahr für das Projekt, wenn das Engagement nachließe“, sorgt sich der Vorsitzende. Wer das Team verstärken möchte, kann sich bei Thorsten Wittemann ( 02204 / 24241) melden.


Bürgerzentren in Vereinsregie

Von GISBERT FRANKEN
aus: Bergische Landeszeitung vom 18.12.2004

Klamme Kassen machen erfinderisch: Neue Wege geht die Kreisstadt bei der Bewirtschaftung ihrer Bürgerzentren. Ab dem 1. Januar 2005 werden die Refrather Steinbreche und das Bürgerzentrum Schildgen / Katterbach von bürgerschaftlichen Trägervereinen in Eigenregie gemanagt.

Ausgangspunkt war eine „Liste der Grausamkeiten“, auf der die Stadt unter dem Druck ihres Haushaltssicherungskonzeptes Möglichkeiten gesammelt hatte, finanziellen Ballast abzuwerfen. Damals war sogar der Verkauf der Stadtteilzentren diskutiert worden. Der Kulturausschuss hatte gemeinsam mit den Beiräten der Einrichtungen nach Alternativen gesucht.

Bürger statt Bürokraten

Das Ergebnis stellte Bürgermeister Klaus Orth gestern vor. „Der Einspareffekt liegt zwar nicht so hoch, wie ursprünglich veranschlagt worden ist“, räumte Orth ein, aber dafür sieht er die Chance, dass die Zentren lebendiger werden, wenn Bürger statt Bürokraten die Vermarktung übernehmen.

„Das ist eine Aufgabe, die eine Verwaltung nicht mit dem gleichen Herzblut ausführen kann wie Leute, die in dem Stadtteil leben“, ist auch Thorsten Wittemann vom neugegründeten „Trägerverein Bürgerzentrum Steinbreche“ überzeugt. Da sich unter den Refrather Vereinen keiner fand, der den Saal übernehmen wollte, sprang hier spontan ein Freundeskreis in die Bresche, um einen Träger-e.V. zu bilden. „Die Idee entsprang einem Thekengespräch in der ,Ewigen Lampe“, lacht Wittemann. „Wir haben gesagt,dass kan doch nicht sein, dass das Bürgerzentrum zu macht. Wenns sonst keiner tut, machen wir das.“

Bisher gehören acht Privatpersonen dem Verein an, in Zukunft sollen aber auch die Vereine in Gestalt ihrer Vorsitzenden eingebunden werden: „Es gibt etwa zehn Vereine mit größerer Mitgliederzahl und Verwurzelung im Stadtteil, die für eine Aufnahme in Frage kommen.“ Auch mit dem Refrather Handel wurde Kontakt aufgenommen. Hausmeister und Reinigungspersonal wurde bereits eingestellt. Pläne, die Steinbreche zu füllen, gibt es reichlich: „Wir haben zum Beispiel jemanden, der Brautmoden vorstellen möchte, und wir hoffen, danach die Steinbreche auch für viele Hochzeiten vermieten zu können.“

In Schildgen brauchte kein spezieller Trägerverein gebildet zu werden, weil der Sportverein TUS unter seinen Vorsitzenden Heinz Büsing und Manfred Hauschild sich bereit erklärte, den Saal zu übernehmen. Hauschild: „Wir können das Zentrum dann auch für ausgewählte Sportveranstaltungen nutzen,denn in den Schulturnhallen Concordiaweg und Katterbach stoßen wir an Kapazitätsgrenzen.“